Thursday, October 23, 2014

3 Blusen für Aschenputtel

Langsam beende ich die Blusen für mein Aschenputtel, also meine Mama.
Irgendwie hat es in Ihrem Leben nie eine Zeit gegeben, zu der sie gut gekleidet war. Es gab dafür kein Geld und keine Beziehungen, gute bezahlbare Bekleidung zu erhalten und sie litt darunter.
Das war unter anderem der Grund, warum ich mit 14 schon zu Konstruktions- und Nähkursen ging, die drei Jahre gedauert haben.

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Ich nähe für meine Mama sehr langsam. Wenn sie kann, kommt sie zu den Anproben, obwohl zwischen uns immerhin über 100 km Entfernung liegen.

Die  Bluse Nr.1 ist eine Sommerbluse. Leider ist sie im Sommer nicht mehr fertig geworden.
Das ist ein ausgezeichnetes Burda-Modell. Lob an die Konstrukteure - die Ärmel sind ein Gedicht!
Burda Modell 137_05/2014



Der Stoff ist schrecklich. Sieht zwar aus wie Waschseide, ist aber keine. Es ist Viscose mit Polyester. Ich musste zwar Rücksicht auf das Budget meiner Mama nehmen, aber ich habe mir ab jetzt geschworen, mir zur Liebe nie wieder sowas noch mal zu tun.
Abgesehen, dass der Stoff sich überhaupt nicht legt und auch Hitze und Feuchtigkeit des Bügelns ignoriert, war das extrem schlimm, das Schrägband anzubringen.Normalerweise zieht man den Schrägstreifen, bevor man ihn anbringt. Unterm Eisen zog sich der Streifen auch, aber dann sprang er zurück zum Ursprung. Ich bin beinah wahnsinnig geworden.

Zum Fotografieren blieb uns wenig Zeit, daher habe ich es nicht mehr geschafft, ordentlich abzubügeln.

Die Abnäher habe ich direkt an meiner Mama selbst gelegt, es hat was mit ihren Besonderheiten zu tun.
Schulterlänge und Rückenbreite musste ich um 1cm je Seite kürzen und den Ärmel  dem entsprechend leicht versetzen.
Ich wiederhole es noch mal gerne, der Ärmel ist hier ein Gedicht! Nicht nur weil es wunderbar sich in Armloch legt, sondern obwohl er so schmal ist, dennoch viel Bewegung zulässt.
Laut dem Rat der Russen, die die Bluse schon genäht haben, habe ich Jabot um 2cm bis zur Schulterlinie verlängert. Meine Mama ist total begeistert. Sie hat seit 1967 von einem Jabot geträumt.

 Jetzt zu den Feinheiten des Jabots.
Den Rand habe ich mikro-zizackt. Dies ohne Probleme und ohne Fehler mit meiner Nähmaschine zu schaffen, ist meiner Meinung nach nur mit Spezialfüsschen Nr. 10 von Bernina möglich.
Ich erkläre warum das so ist.
Auf den ersten Blick sehen die Füsschen Nr.5 und Nr.10 fast identisch aus.
Der entscheidende Unterschied aber besteht in der  Länge der  Trennplatte.
Bei Nr.5 geht sie durch, bei Nr.10 hört sie genau vor dem Loch auf.

Genau dies ermöglicht den Zickzack so mikroklein zu halten und so präzise  und sogar ohne die Hände an der Maschine zu halten
Bei dieser Längen-Breiten-Einstellung wird genäht, wie man sieht, ganz ohne Hände. Der Stoff wird von alleine von dem Füsschen gesteuert.

Damit man sieht wie mikroklein und wie präzise es ausgeführt ist, habe ich paar Gegenstände daneben gelegt.
 
Bluse Nr. 2 kommt aus Holland, Knipmode  Modell 33_12/2011

Genäht aus dem gleichen Stoff wie bei der ersten Bluse (Horror!).
Der Ausschnitt war viel zu offenherzig. Ansonsten habe ich auch noch auf die Mittelnaht vorne verzichtet. Abnäher selbst gemacht, leicht in der HM oben was weggenommen, sonst keine Veränderugen.
Sorry für die Bilder, Ich habe es auf die Schnelle den Polyester nicht rausgebügelt bekommen.

 Die Bluse Nr. 3  stammt ebenfalls  aus Burda, Modell 132_04/2014




Aber diesmal aus fantastischem  schwerem Viskose-Satin genäht. Es sieht aus und fühlt sich an die echte schwere Seide. Bis dahin kannte ich nicht mal so einen Stoff.

Passformmäßig 0 Korrektur, nicht mal bei den Abnäher,was bei der Mama immer ein Problem ist.

Das Modell sieht vor, dass man Halsausschnitt völlig offenkantig lässt. Das würde bei dem Stoff gar nicht gehen. Satinwebung ist dazu völlig ungeeignet.
Daher habe ich den Ausschnitt sicher gemacht, indem ich ihm einen eins zu eins Beleg zugeschnitten habe und verstürzt angenäht habe. Danach habe ich Ausschnitt wie eine Lage verarbeitet.
Ripsband wird zum Schluß angenäht.

Friday, October 17, 2014

Wer nach Lekala-Schnittmuster näht ist selbst schuld!

Das ist das erste Mal, dass ich mir wünschen würde, diese Worte kämen von mir.
Die bittere Wahrheit ist, dass diese Worte vom Inhaber der Firma kamen.
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Für die, die nicht wissen, Lekala (Leko) ist eine russische Marke. Die Firma bietet Schnittmuster, CAD generiert, nach eigenen Maßen. Der Inhaber persönlich betreibt öffentliches Marketing in einem russischen Nähforum. Ich habe vier Jahre lang im Forum verfolgt, was bemängelt wird, wie es sitzt und wie die Quailtät sich ändert...
Nun, was kann ich sagen... in vier Jahren ist nichts passiert, außer, dass der Hersteller immer wieder mit den Konstruktionsfehler konfrontiert wird, und dass ihm das alles ziemlich egal ist.
Sein Umgangston mit Kunden lässt Besserung wünschen, er reagiert immer rüpelhaft und patzig. Es scheint ihn gar nicht zu interessieren.
Alles Vorschläge unsererseits, wie man etwas verbessern könnte, stoßen auf  taube Ohren.
Nur ist diesmal die Schmerzgrenze erreicht.

Auf unsere Nachfrage, ob es nicht möglich wäre, konstruktive  Erstklässlerfehler  zu vermeiden, indem man erst einmal die Modelle und Konstruktionen testet bevor man sie verkauft, sagte
der Inhaber der Firma Lekala öffentlich in Forum:
Gekauft wie gesehen! Sie können nicht erwarten, dass man du bei dem Preis noch irgendwas macht!?
WEM DAS NICHT GEFÄLLT, SOLL WOANDERS KAUFEN!
Wer die Schnitte nach seinem Gusto nicht anpasst, und nicht verändert, und vor allem vor dem Zuschnitt nicht überprüft,  ist selbst schuld!

Wie bitte???

ich habe mir drei Schnitte im Paket gekauft, weil ich zu sehr ein Armani Jacket, was sie angeboten haben (als Eigenes) nähen wollte.
links Original, rechts Lekala
Auf Modellieren hatte ich keine Lust. Da ich weiß, dass Lekala nicht besonders gut sitzt, und die Linien selten Originalen nahe kommen, kaufte ich drei Schnittmuster u.a. auch um zu testen. Die Blusen wollte ich zuerst machen, um zu sehen wie sie sitzen, denn die Schnittmuster sind erstellt nach meinen originalen Maßen.
Dass Die Modelle aussehen wie gewollt und nicht gekonnt, wusste ich. Daher habe ich einen Stoff genommen, den ich eh schon hatte- Es war ein Seidenbatist.

Es handelt sich um Modell Lekala 5762

Natürlich habe ich schon vorher die Galerie der nachgenähte Modelle angeguckt.
Ich wußte auch, dass ich den Rücken sofort korrigieren muss, was ich auch getan habe..
Bei dem Zuschnitt hat mich die Lage des Ärmelschlitzes mehr als gewundert. So viel ich wusste, macht man den Schlitz immer in der Mitte der hinteren Hälfte des Ärmels. Aber ich dachte mir, gut, eventuell habe die Leko was Neues entdeckt, warum nicht?
Aber nein! Es macht schon Sinn, warum der Schlitz in der Mitte liegen muss, und nicht an der Seite. Jetzt kann ich auch klar sehen warum. Selbst der Knopf kann es einfach nicht halten, der Schlitz steht ab, weil es einfach der falsche Ort für ihn ist! Man macht ihn nicht so dicht an der Naht in einem 1-Naht-Ärmel! Es ist ein grober Fehler!

Dann die Anprobe..........HORROR! Zur Bluse gehörte eine hohe Manschette. Die Ärmel waren aber viel zu kurz! Locker um 5cm zu kurz. Später hat sich herausgestellt, dass Leko mit Standards arbeitet, die 5 cm kürzer sind an den Armen. Aber ich bin doch nur 158cm groß! Wie soll es dann bei den großen Frauen sein? OK, das kann ich als meinen Fehler abschreiben.
Nun ging es weiter. Wenn eine Manschette hoch ist, kann sie NICHT mehr rechteckig sein! Weil unser Arm auch kein Zylinder ist, sondern ein Konus! Es ist doch reine Mathematik!
Ebenfalls ist Ärmelabschluss, gerade bei hohen Mangetten, keine gerade Linie, sondern hat einen gebogenen Verlauf (siehe Ärmelkonstruktionsbild oben).
Den Stoff um neue Ärmel zuzuschneiden hatte ich nicht mehr.
Ich konnte jetzt nur die Mangetten neu machen. Leider konnte ich auch nicht mehr 100% verbessern, mir fehlte einfach die Länge, es zieht vom Ellenbogen! Aber es ist nicht nur bei mir so, es ist auch bei den anderen.
Und hier könnt ihr sehen, was das für Auswirkungen mit sich bringt.
Links im Bild korrigiert, rechts- so wie es von Lekala gedacht war.
Der Kragen war vom Ursprung viel zu groß und zu klobig, ich habe ihn um Einiges kleiner gemacht, Der Steg war aus mir unerklärlichem Grund völlig rechteckig - sowas würde immer abstehen, also habe ich den sofort abgerundet.
Trotz locker gemessenen Hüfteumfangs reichte unten die Weite nicht und die Bluse ging auf. Ich holte aus den Seitennähte alles raus,was möglich war.
Aber, das passiert wohl des öfteren, z.B. hier (Galerie von Lekala, gezeigt vom Herrn persönlich).
Viel schlimmer finde ich die Situation mit der Brust. Man kann sie wohl nur ohne BH tragen.
Denn da gibt es gar keine Bequemlichkeitszugaben- die Bluse spannt und klafft auf.
Und damit man nicht glaubt, dass ich ein Einzelfall bin, hier  und hier , bitte, noch und  nöcher.

Damit es nicht zur totalen Katastrophe wird, habe ich die Bluse leicht mit 30 Mini-Swarowski (3mm), verschönert.



Die Silhouette ist hässlich, wenn man die Bluse über der Hose trägt. Man muss im Grunde eigene schöne Linien übertragen.

In die Hose reingesteckt sieht es besser aus, kommt auch dem Originalbild näher, ist dafür aber etwas zu kurz.